Veröffentlicht am März 11, 2024

Zusammenfassend:

  • Ihr Auto sammelt bis zu 12 verschiedene Datentypen, von Ihrem Standort bis zu Ihrem Fahrstil.
  • Sie können die Datensammlung durch gezielte Einstellungen im Infotainment-System und in der App stark reduzieren.
  • Telematik-Tarife bieten Rabatte, aber der „Preis“ ist ein detaillierter digitaler Zwilling Ihres Fahrverhaltens.
  • Einfache Schutzmassnahmen wie Faraday-Taschen und regelmässige Updates minimieren das Hacking-Risiko erheblich.

Das moderne Auto ist ein Wunderwerk der Technik. Es navigiert uns durch Staus, spielt unsere Lieblingsmusik und kann im Notfall selbstständig Hilfe rufen. Doch diese Annehmlichkeiten haben einen Preis, der nicht auf der Rechnung steht: unsere Daten. Viele technikaffine Autofahrer in Deutschland schätzen die Konnektivität, hegen aber ein tiefes Misstrauen gegenüber der unsichtbaren Datensammlung. Die Sorge, dass ein detailliertes Profil unseres Fahrverhaltens – ein wahrer digitaler Zwilling – erstellt und an Versicherungen oder andere Dritte verkauft wird, ist allgegenwärtig.

Die üblichen Ratschläge beschränken sich oft auf ein pauschales „Deaktivieren Sie alles“ oder warnen vage vor den Gefahren. Doch dieser Ansatz ist unbefriedigend, denn er beraubt uns der nützlichen Funktionen, für die wir bezahlt haben. Was wäre, wenn der Schlüssel nicht im Verzicht, sondern im Verstehen liegt? Wenn wir durch gezieltes Wissen über die Datenflüsse die Kontrolle zurückerlangen und eine bewusste Entscheidung treffen könnten, welche Dienste wir nutzen und welche nicht? Genau das ist das Ziel dieses Leitfadens. Wir agieren nicht aus Angst, sondern aus einer Position der Stärke und der Daten-Souveränität.

Als IT-Sicherheitsexperte im Automobilbereich zeige ich Ihnen, welche Daten Ihr Auto wirklich sammelt und wie sie genutzt werden. Wir werden die Spreu vom Weizen trennen, nützliche von datenhungrigen Funktionen unterscheiden und konkrete, umsetzbare Schritte zur Absicherung Ihrer Privatsphäre durchgehen. Statt die Technik zu verteufeln, lernen Sie, sie souverän zu beherrschen.

Dieser Artikel führt Sie systematisch durch die wichtigsten Aspekte der Datensicherheit im vernetzten Fahrzeug. Sie erhalten einen klaren Überblick über die gesammelten Daten, lernen, wie Sie Ihre Privatsphäre schützen, und können am Ende eine fundierte Entscheidung über den Nutzen und die Risiken von Connected-Car-Diensten treffen.

Welche 12 Datentypen Ihr vernetztes Auto täglich an Hersteller und Dritte sendet

Moderne Fahrzeuge sind rollende Rechenzentren. Doch die wenigsten Fahrer wissen, welche Informationsfülle sie bei jeder Fahrt generieren und preisgeben. Volker Lüdemann vom Niedersächsischen Datenschutzzentrum bringt es auf den Punkt:

Moderne Autos wissen praktisch alles über ihre Fahrer. Bis zu 150 Sensoren im Fahrzeug erfassen Fahrverhalten, Sitzbelegung, Beschleunigung und sogar den Musikgeschmack.

– Volker Lüdemann, Niedersächsisches Datenschutzzentrum

Diese Datensammlung ist keine Seltenheit, sondern die Regel. Eine ADAC-Untersuchung hat beispielsweise gezeigt, dass eine Mercedes B-Klasse mit me-connect System alle 2 Minuten Datenpakete an den Hersteller sendet. Diese Daten lassen sich in mehrere Kategorien einteilen, die zusammen ein erschreckend detailliertes Bild von Ihnen zeichnen. Die zwölf wichtigsten Typen umfassen:

  • Identifikationsdaten: Fahrzeug-Identifikationsnummer (FIN), Kennzeichen, Halterdaten.
  • Standortdaten: Kontinuierliche GPS-Position, gefahrene Routen, häufig besuchte Orte (Zuhause, Arbeit).
  • Fahrverhaltensdaten: Geschwindigkeit, Beschleunigungs- und Bremsvorgänge, Lenkbewegungen, Nutzung von Assistenzsystemen.
  • Technische Fahrzeugdaten: Kilometerstand, Reifendruck, Ölstand, Fehlermeldungen des Motors, Batteriezustand.
  • Umgebungsdaten: Aussentemperatur, Regen- und Lichtsensorik, Daten der Aussenkameras.
  • Biometrische Daten: Bei modernen Systemen teils Spracheingaben, Innenraumkameras zur Müdigkeitserkennung.
  • Infotainment-Nutzung: Gewählte Radiosender, Musik-Streaming-Verlauf, Lautstärke, verbundene Geräte.
  • Kommunikationsdaten: Anruflisten, Kontakte und teils sogar SMS, wenn das Smartphone gekoppelt ist.
  • Ladeverhalten (bei E-Autos): Ladeorte, Ladezeiten, geladene Energiemenge.
  • Persönliche Einstellungen: Sitzposition, Spiegeleinstellungen, bevorzugte Klimatisierung.
  • App-Nutzung: Interaktionen mit der Hersteller-App (z.B. Fernabfrage des Fahrzeugstatus).
  • Bezahldaten: In-Car-Payment-Informationen für Parkgebühren oder Ladevorgänge.

Zusammen ergeben diese Datenpunkte den perfekten digitalen Zwilling Ihrer Mobilitätsgewohnheiten. Sie verraten nicht nur, wo Sie waren, sondern auch wie Sie gefahren sind, mit wem Sie gesprochen haben und was Ihre Vorlieben sind. Diese Informationen sind für Hersteller, Versicherer und Werbetreibende von unschätzbarem Wert.

Wie Sie in 7 Schritten die Datensammlung Ihres Connected Cars auf das Minimum reduzieren

Die gute Nachricht ist: Sie sind der Datensammelwut nicht hilflos ausgeliefert. Gemäss der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) haben Sie das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Mit einer systematischen Datenhygiene können Sie die Kontrolle zurückgewinnen. Das Ziel ist nicht die totale Abschottung, sondern die Reduzierung auf ein notwendiges und von Ihnen akzeptiertes Minimum. Gehen Sie dafür die folgenden sieben Schritte durch.

Dieser Prozess erfordert, dass Sie sich sowohl mit dem Infotainment-System im Auto als auch mit der zugehörigen Smartphone-App auseinandersetzen. Die Menüs sind oft bewusst verschachtelt, aber die Mühe lohnt sich.

Nahaufnahme einer Hand die Datenschutzeinstellungen auf einem Smartphone für ein vernetztes Auto anpasst

Führen Sie die folgenden Schritte durch, um Ihre Privatsphäre-Einstellungen granular zu steuern:

  1. Dienste-Übersicht aufrufen: Suchen Sie im Infotainment-System den Menüpunkt für „Konnektivität“, „Datenschutz“ oder „Connected Services“. Hier finden Sie eine Liste aller aktiven Dienste.
  2. Unnötige Komfortdienste deaktivieren: Gehen Sie die Liste durch. Benötigen Sie wirklich die News-App im Auto, die Social-Media-Integration oder personalisierte Werbung? Deaktivieren Sie alles, was keinen klaren Mehrwert bietet.
  3. Standortübermittlung einschränken: Deaktivieren Sie die kontinuierliche Standortübermittlung. Oft gibt es Optionen wie „Nur für Navigation“ oder „Nur bei Notruf“. Wählen Sie die restriktivste Einstellung, die für Sie praktikabel ist. Das gesetzlich vorgeschriebene Notrufsystem eCall bleibt davon unberührt und funktioniert weiterhin.
  4. Fahrprofil-Analyse unterbinden: Suchen Sie nach Begriffen wie „Fahrstilanalyse“, „Eco-Trainer“ oder „Versicherungstarif“. Deaktivieren Sie diese Funktionen explizit, wenn Sie keinen Telematik-Tarif nutzen wollen.
  5. Smartphone-App prüfen: Öffnen Sie die Hersteller-App auf Ihrem Handy und durchforsten Sie die Datenschutz-Einstellungen. Oft werden hier gesonderte Einwilligungen für die Datenverarbeitung zu Marketing- oder Analysezwecken eingeholt. Widerrufen Sie diese.
  6. Bluetooth- und WLAN-Berechtigungen verwalten: Erlauben Sie den Zugriff auf Kontakte und Nachrichten nur, wenn Sie die Freisprecheinrichtung aktiv nutzen. Deaktivieren Sie die Funktion, wenn Sie sie nicht benötigen.
  7. Auskunftsrecht nach DSGVO nutzen: Fordern Sie beim Hersteller eine Kopie der über Sie gespeicherten Daten an (Art. 15 DSGVO). Dies schafft nicht nur Transparenz, sondern signalisiert auch, dass Sie Ihre Rechte kennen und wahrnehmen.

Telematik-Tarif oder Standardversicherung: wann sich der Datentausch gegen 15 % Rabatt lohnt

Telematik-Tarife, oft mit Rabatten von bis zu 30 % oder mehr beworben, sind der offensichtlichste Fall, in dem Autofahrer bewusst Daten gegen einen finanziellen Vorteil tauschen. Die Versicherung installiert eine Box oder nutzt eine App, um Fahrstil, Geschwindigkeit, Bremsverhalten und teils sogar die Tageszeit der Fahrten zu analysieren. Ein guter „Score“ führt zu einem niedrigeren Beitrag. Doch ist dieser Deal wirklich so gut, wie er scheint?

Die Entscheidung hängt von einer ehrlichen Selbsteinschätzung und einer Kosten-Nutzen-Analyse ab. Im Durchschnitt sparen Telematik-Nutzer laut einer aktuellen Analyse in Deutschland 83 Euro pro Jahr. Für Wenigfahrer oder Fahranfänger mit hohen Grundprämien kann die Ersparnis deutlich höher ausfallen. Für Vielfahrer mit bereits gutem Schadensfreiheitsrabatt ist der Vorteil oft marginal. Sie müssen abwägen, ob Ihnen diese Ersparnis den Preis der permanenten Überwachung wert ist.

Der folgende Vergleich von führenden deutschen Anbietern zeigt die Bandbreite der Angebote. Beachten Sie, dass diese Daten Momentaufnahmen sind und die Bedingungen sich ändern können.

Diese Übersicht, basierend auf einer Analyse der Stiftung Warentest, verdeutlicht die unterschiedlichen Ansätze der Versicherer.

Vergleich der Telematik-Tarife führender deutscher Anbieter 2024
Anbieter Max. Rabatt Startbonus Besonderheit
HUK24 30% 5% Sensor an Windschutzscheibe
Allianz BonusDrive 30% 10% Nur 10 Tage/Monat Aufzeichnung nötig
VKB Vario Fahrstil 45% Variabel Regional beschränkt
ADAC 30% 5% Für alle Altersgruppen

Fallstudie: Praxiserfahrung mit HUK24 Telematik-Tarif

Ein Vielfahrer berichtet über seine vierjährige Erfahrung mit dem HUK24 Telematik-Tarif. Trotz einer hohen jährlichen Kilometerleistung konnte er durch eine bewusste Anpassung seines Fahrverhaltens – insbesondere durch vorausschauendes Fahren zur Vermeidung starker Bremsmanöver – konstant einen Rabatt von 25-30% erzielen. Kritisch merkte er jedoch an, dass das System die Nutzung des Tempomats auf der Autobahn oder notwendige Überholmanöver auf Landstrassen teils negativ bewertete, was eine unfaire Abbildung der tatsächlichen Fahrsicherheit darstellt.

Der Tausch „Daten gegen Rabatt“ lohnt sich also vor allem für Fahrer mit einem sehr ruhigen, gleichmässigen und vorhersehbaren Fahrprofil, die selten nachts oder zu Stosszeiten unterwegs sind. Wer oft auf deutschen Autobahnen dynamisch fährt oder einen unregelmässigen Arbeitsrhythmus hat, könnte feststellen, dass der angestrebte Rabatt in der Praxis kaum zu erreichen ist und der psychologische Druck der Überwachung überwiegt.

Der digitale Diebstahl: wie Hacker in 90 Sekunden vernetzte Autos öffnen und starten

Die Vernetzung von Fahrzeugen schafft nicht nur Einfallstore für Datenkraken, sondern auch für Kriminelle. Die digitalen Angriffsvektoren sind vielfältig und reichen von simplen Relay-Angriffen auf Keyless-Go-Systeme bis hin zu komplexen Hacks der Fahrzeugsoftware. Ein prominentes Beispiel aus Deutschland unterstreicht die reale Gefahr: Der Chaos Computer Club (CCC) deckte Anfang 2024 auf, dass durch eine massive Sicherheitslücke bei einem Zulieferer die Bewegungsdaten von rund 800.000 E-Autos des VW-Konzerns ungeschützt im Netz standen. Solche Lücken können von Hackern genutzt werden, um Fahrzeuge zu orten, zu öffnen oder sogar zu starten.

Die Vorstellung, dass ein Fremder per Laptop die Kontrolle übernimmt, ist beängstigend. Glücklicherweise können Sie mit grundlegender Cyber-Sicherheitshygiene die häufigsten Risiken drastisch reduzieren. Es geht darum, es den Angreifern so schwer wie möglich zu machen. Viele Angriffe zielen auf die einfachsten Schwachstellen ab, die mit geringem Aufwand geschlossen werden können.

Die effektivsten Massnahmen erfordern kein Informatikstudium, sondern Disziplin und das richtige Wissen. Die folgende Checkliste fasst die wichtigsten Punkte zusammen, die jeder Besitzer eines vernetzten Fahrzeugs umsetzen sollte, um sich vor digitalem Diebstahl zu schützen.

Ihre Checkliste für digitale Fahrzeugsicherheit

  1. Software-Updates installieren: Aktivieren Sie automatische Over-the-Air (OTA)-Updates oder installieren Sie sie umgehend, wenn Sie benachrichtigt werden. Updates schliessen bekannte Sicherheitslücken.
  2. Keyless-Schlüssel abschirmen: Bewahren Sie Ihren Funkschlüssel zu Hause in einer speziellen Faraday-Tasche oder einer Metallbox auf. Das blockiert das Signal und verhindert Relay-Angriffe.
  3. OBD-Port schützen: Sichern Sie den On-Board-Diagnose (OBD)-Anschluss im Fahrzeug mit einem physischen Schloss oder einer Blende. Über diesen Port können Diebe die Wegfahrsperre umgehen.
  4. Drahtlosverbindungen managen: Deaktivieren Sie Bluetooth und WLAN im Fahrzeug, wenn Sie es nicht aktiv nutzen. Jede offene Verbindung ist ein potenzieller Angriffsvektor.
  5. PIN-to-Drive aktivieren: Falls Ihr Fahrzeug diese Funktion anbietet, aktivieren Sie sie. Sie erfordert die Eingabe einer PIN vor dem Starten des Motors – eine simple, aber sehr wirksame zusätzliche Hürde.

Kein System ist zu 100 % sicher, aber durch die konsequente Anwendung dieser Massnahmen erhöhen Sie die Sicherheitsschwelle erheblich. Sie machen Ihr Fahrzeug zu einem unattraktiven Ziel für die meisten Gelegenheitsdiebe und Skript-Kiddies.

Welche 5 Connected-Funktionen wirklich nützlich sind und auf welche 7 Sie verzichten können

Nicht jede Connected-Funktion ist gleich. Einige bieten einen echten, lebensrettenden Mehrwert, während andere kaum mehr als datenhungrige Gimmicks sind. Eine bewusste Entscheidung für oder gegen einen Dienst erfordert eine klare Nutzen-Risiko-Abwägung. Als Faustregel gilt: Je mehr ein Dienst auf Personalisierung und Komfort abzielt, desto mehr Daten sammelt er in der Regel, ohne einen fundamentalen Nutzen für die Fahraufgabe zu bieten.

Eine Analyse von Nutzen und Datenschutzrisiko zeigt klare Tendenzen. Funktionen, die direkt der Sicherheit oder der Effizienz der Fahrt dienen, sind oft unproblematischer als solche, die Unterhaltung oder soziale Vernetzung in den Vordergrund stellen.

Minimalistisches Auto-Dashboard zeigt abstrakte Icons für vernetzte Funktionen

Analyse: Der wahre Wert von Connected-Car-Features

Eine vergleichende Analyse zeigt: Funktionen wie Echtzeit-Verkehrsdaten für die Navigation und das automatische Notrufsystem (eCall) bieten den grössten und unmittelbarsten Mehrwert bei einem vertretbaren und zweckgebundenen Datenaustausch. Im Gegensatz dazu sammeln Features wie personalisierte Werbung auf dem Infotainment-Display, die Integration von Social-Media-Feeds oder In-Car-Shopping-Apps unverhältnismässig viele persönliche Daten, ohne die Fahrsicherheit oder -effizienz wesentlich zu verbessern. Sie dienen primär den Geschäftsmodellen Dritter, nicht dem Fahrer.

Basierend auf dieser Logik lässt sich eine klare Priorisierung vornehmen:

5 nützliche Funktionen mit hohem Mehrwert:

  • Echtzeit-Navigation: Stauumfahrung und präzise Ankunftszeiten sparen Zeit und Nerven.
  • eCall (Automatischer Notruf): Gesetzlich vorgeschrieben und kann im Ernstfall Leben retten.
  • Fernabfrage des Fahrzeugstatus: Überprüfung von Ladestand, Reichweite oder ob das Auto verriegelt ist.
  • Digitale Park- & Ladezahlung: Vereinfacht den Prozess, erfordert aber die Weitergabe von Zahlungsdaten.
  • Diebstahlwarnung & Fahrzeugortung: Bietet Sicherheit, ist aber ein starker Eingriff in die Privatsphäre (Abwägungssache).

7 verzichtbare Funktionen mit hohem Datenschutzrisiko:

  • Personalisierte Werbung & In-Car-Commerce.
  • Integration von Social-Media-Plattformen.
  • Web-Browser im Infotainment-System.
  • Concierge-Services (oft mit permanenter Sprachaufzeichnung verbunden).
  • Fahrstilanalyse und „Eco-Scoring“ (ausserhalb von Telematik-Tarifen).
  • Automatische Kalendersynchronisation.
  • Personalisierte News- und Wetter-Feeds.

Indem Sie sich auf die wirklich nützlichen Funktionen konzentrieren und datenhungrige Gimmicks deaktivieren, finden Sie den optimalen Mittelweg zwischen modernem Komfort und dem Schutz Ihrer Privatsphäre.

Wer zahlt bei einem Unfall mit Autopilot: Sie oder der Hersteller? Die deutsche Rechtslage

Die zunehmende Automatisierung wirft eine der heikelsten Fragen auf: Wer haftet, wenn die Technik versagt? Die Antwort ist komplex und hängt entscheidend von der Autonomiestufe des Fahrzeugs und der spezifischen Situation ab. Die deutsche Rechtslage ist hierbei, im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, bereits relativ klar definiert und legt die Verantwortung weiterhin primär beim Menschen hinter dem Steuer ab.

Für die heute gängigen Systeme der Stufe 2 (Teilautomatisiertes Fahren, z.B. adaptive Tempomaten mit Spurhalteassistent) und Stufe 3 (Hochautomatisiertes Fahren, bei dem der Fahrer die Überwachung temporär abgeben darf) gilt: Der Fahrer muss jederzeit in der Lage sein, die Kontrolle sofort wieder zu übernehmen. Er darf also nicht schlafen, lesen oder sich vom Verkehrsgeschehen abwenden. Verursacht das System in diesem Modus einen Unfall, weil der Fahrer nicht rechtzeitig eingegriffen hat, bleibt die Haftung in der Regel beim Fahrer. Diese Position wird auch von der Politik gestützt.

Bei Fahrzeugen mit Automatisierungsstufe 2 und 3 bleibt der Fahrer grundsätzlich verantwortlich und muss jederzeit eingreifen können. Erst ab Stufe 4 verschiebt sich die Haftung teilweise zum Hersteller.

– Norbert Barthle, ehem. Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesverkehrsminister

Eine Haftung des Herstellers kommt nur in Betracht, wenn ein nachweislicher technischer Defekt oder ein Softwarefehler vorliegt. Der Nachweis hierfür ist für den Fahrer jedoch extrem schwierig zu erbringen. Die im Fahrzeug gespeicherten Daten (der sogenannte „Unfalldatenspeicher“) spielen hier eine entscheidende Rolle, doch der Zugriff darauf ist oft kompliziert. Um die Sicherheit dieser Systeme zu gewährleisten, hat die EU strenge Regeln erlassen. So sind seit Juli 2024 die UN R155 und EU-Verordnung 2018/858 für Cybersicherheit in allen Neufahrzeugen in der EU verpflichtend. Diese Vorschriften zwingen die Hersteller, ihre Fahrzeuge über den gesamten Lebenszyklus gegen Hackerangriffe abzusichern.

Im Klartext bedeutet das für deutsche Autofahrer: Assistenzsysteme sind Helfer, keine Chauffeure. Die volle rechtliche und moralische Verantwortung verbleibt bei Ihnen. Verlassen Sie sich niemals blind auf die Technik und bleiben Sie immer aufmerksam.

CarPlay vs. Android Auto vs. Mercedes MBUX: welches System bei deutscher Autobahn-Navigation präziser ist

Die Wahl des Infotainment-Systems hat weitreichende Folgen für Bedienkomfort, Konnektivität und vor allem den Datenschutz. Die drei dominanten Systeme auf dem deutschen Markt sind Apple CarPlay, Android Auto und die herstellereigenen Lösungen wie Mercedes-Benz User Experience (MBUX), BMW iDrive oder das VW-Infotainment. Im Fokus stehen hier oft die Navigationsleistung, insbesondere auf den anspruchsvollen deutschen Autobahnen, und die damit verbundene Datensammlung.

Apple CarPlay und Android Auto spiegeln im Wesentlichen das Smartphone auf den Fahrzeugbildschirm. Ihr Vorteil liegt in der vertrauten Oberfläche und der nahtlosen Integration von Apps wie Spotify, WhatsApp oder Google Maps/Apple Karten. In puncto Navigationspräzision auf der Autobahn greifen sie auf die immense Datenbasis von Google und Apple zurück, was oft zu exzellenten Echtzeit-Stauwarnungen führt. Der Nachteil: Sie senden permanent Daten an die Tech-Giganten in den USA. Insbesondere Android Auto ist dafür bekannt, sehr viele Nutzerdaten zu sammeln.

Herstellereigene Systeme wie MBUX gehen einen anderen Weg. Sie sind tiefer in die Fahrzeugelektronik integriert und können auf Fahrzeugsensoren zugreifen, was z.B. eine präzisere Navigation in Tunneln ohne GPS-Signal ermöglicht. Viele dieser Systeme bieten zudem vollwertige Offline-Karten für ganz Europa an, was die Abhängigkeit von einer Datenverbindung reduziert und die Datenhoheit stärkt. Die Navigation auf deutschen Autobahnen ist oft auf die spezifischen Gegebenheiten (hohe Geschwindigkeiten, komplexe Autobahnkreuze) optimiert. Die Daten fliessen primär an den Fahrzeughersteller, was aus europäischer DSGVO-Sicht oft transparenter gehandhabt wird als bei US-Konzernen.

Der folgende Datenschutz-Vergleich zeigt die grundsätzlichen Unterschiede:

Datenschutz-Vergleich der Navigationssysteme
System Datensammlung Offline-Fähigkeit Datenweitergabe
CarPlay Minimal Teilweise Nur an Apple
Android Auto Umfangreich Eingeschränkt An Google & Partner
Mercedes MBUX Moderat Vollständig An Mercedes

Für datenschutzbewusste Fahrer in Deutschland, die Wert auf präzise Autobahn-Navigation legen, stellt ein modernes herstellereigenes System oft den besten Kompromiss dar. Es bietet meist eine überlegene Offline-Fähigkeit und eine transparentere Datenverarbeitung nach DSGVO. Wer jedoch die nahtlose Integration seines Smartphone-Ökosystems nicht missen möchte, für den ist CarPlay aus Datenschutzsicht die bessere Wahl als Android Auto.

Das Wichtigste in Kürze

  • Sie haben nach DSGVO das Recht, die meisten Datenerfassungen in Ihrem Auto zu deaktivieren, ohne Funktionsverlust bei sicherheitsrelevanten Systemen wie eCall.
  • Ein bewusster Umgang mit Privatsphäre-Einstellungen ist effektiver als ein kompletter Verzicht auf nützliche Connected-Dienste.
  • Die grösste Bedrohung für die Datensicherheit ist oft nicht der Hacker, sondern die sorglose Freigabe von Daten für Komfortfunktionen und Rabatte.

Autonomiestufe 2 vs. 3 vs. 5:Wie viel PS Sie wirklich brauchen: die Formel für das perfekte Leistungs-Verbrauchs-Verhältnis

Die Diskussion über moderne Autos wird zunehmend von Software und Autonomiegraden statt von Zylindern und Hubraum bestimmt. Die traditionelle Frage „Wie viel PS hat er?“ wird abgelöst durch „Welche Autonomiestufe erreicht er?“. Dieser Wandel ist mehr als nur ein Trend; er verändert fundamental, was wir unter einem „leistungsstarken“ Auto verstehen. Die rohe Motorleistung (PS) verliert an Bedeutung gegenüber intelligenter Effizienz und Konnektivität.

Zunächst zur Klärung der Begriffe: Stufe 2 (Teilautomatisiert) bedeutet, das System assistiert, der Fahrer überwacht permanent. Stufe 3 (Hochautomatisiert) erlaubt dem Fahrer, die Aufmerksamkeit temporär abzuwenden. Stufe 5 (Vollautomatisiert) bedeutet, das Fahrzeug fährt komplett selbstständig ohne menschlichen Eingriff. Die meisten aktuellen Premium-Fahrzeuge in Deutschland bewegen sich auf Stufe 2, einige wenige erreichen Stufe 3 unter bestimmten Bedingungen. Stufe 5 ist noch Zukunftsmusik.

Diese technologische Entwicklung stellt die PS-Frage in ein neues Licht. Eine Deloitte-Umfrage zeigt, dass in Deutschland für 32% der Befragten die Fahrzeugleistung immer noch ein Top-3-Kaufkriterium ist. Doch die Realität, insbesondere bei E-Autos, zeigt, dass Effizienz die neue Leistung ist.

Fallstudie: Effizienz schlägt rohe Kraft

ADAC-Tests belegen eindrucksvoll, dass Elektroautos ihre Leistung deutlich effizienter auf die Strasse bringen. Ein E-Auto mit 150 PS bietet oft eine Beschleunigung und ein Fahrgefühl, das mit einem 200-PS-Benziner vergleichbar ist. Der entscheidende Unterschied liegt im Energieverbrauch: Das E-Auto benötigt für die gleiche Fahrleistung oft nur die Hälfte der Energie. Dieser Effizienzvorteil wird besonders auf deutschen Autobahnen bei konstant hohen Geschwindigkeiten deutlich, wo ein Verbrenner unverhältnismässig viel Kraftstoff verbraucht.

Die Formel für das perfekte Leistungs-Verbrauchs-Verhältnis im 21. Jahrhundert ist daher keine rein mathematische, sondern eine konzeptionelle: Wahre Leistung = (Effizienz × Intelligente Assistenz) / Rohe PS. Ein Auto mit moderaten 180 PS, aber einem exzellenten Level-2-Autopiloten und niedrigem Verbrauch bietet auf einer langen Autobahnfahrt mehr souveräne „Leistung“ und Komfort als ein 400-PS-Bolide ohne intelligente Systeme. Die Fähigkeit, entspannt und effizient von A nach B zu kommen, wird zum neuen Statussymbol – und verbraucht dabei weniger Ressourcen und generiert, bei richtiger Einstellung, weniger unerwünschte Daten.

Diese neue Perspektive auf Leistung ist entscheidend für den Autokauf der Zukunft. Das Verständnis für dieses veränderte Verhältnis von Kraft und Intelligenz ist der Schlüssel.

Häufige Fragen zum Datenschutz im vernetzten Auto

Welche Daten muss ich laut DSGVO preisgeben?

Grundsätzlich müssen nur Daten für gesetzlich vorgeschriebene Systeme wie das eCall-Notrufsystem zwingend übertragen werden. Alle anderen Datenübertragungen für Komfort-, Marketing- oder Analysefunktionen sind freiwillig und Sie können Ihre Einwilligung jederzeit widerrufen oder von vornherein verweigern.

Kann ich die Datenübertragung komplett unterbinden?

Ja, eine fast vollständige Unterbindung ist technisch möglich, zum Beispiel durch das physische Entfernen der im Fahrzeug verbauten SIM-Karte oder den Einsatz von OBD-Port-Blockern. Dies kann jedoch dazu führen, dass alle Connected-Dienste, einschliesslich der Navigation oder Fernsteuerung per App, nicht mehr funktionieren.

Wie kann ich meine Daten beim Hersteller löschen lassen?

Sie haben nach Art. 17 der DSGVO ein „Recht auf Vergessenwerden“. Um dies auszuüben, sollten Sie einen schriftlichen Antrag auf Löschung Ihrer personenbezogenen Daten an den offiziellen Datenschutzbeauftragten des Fahrzeugherstellers senden. Die Kontaktdaten finden sich in der Datenschutzerklärung des Unternehmens.

Welches System funktioniert ohne Internetverbindung?

Integrierte herstellereigene Systeme wie Mercedes MBUX oder BMW iDrive bieten in der Regel die umfangreichste Offline-Navigation, da die Kartendaten fest im Fahrzeug gespeichert sind. Apple CarPlay und Android Auto sind hingegen für viele Funktionen, insbesondere für Echtzeit-Verkehrsdaten, auf eine aktive Internetverbindung des Smartphones angewiesen.

Kann ich die Datenübertragung bei der Navigation deaktivieren?

Das hängt vom System ab. Bei herstellereigenen Systemen (wie MBUX) können Sie die Online-Dienste für die Navigation oft separat deaktivieren und die Offline-Karten nutzen. Bei CarPlay ist die Datennutzung durch Apple relativ gering. Bei Android Auto ist eine Deaktivierung der Datenübertragung an Google nur sehr eingeschränkt möglich, da das System tief in das Google-Ökosystem integriert ist.

Geschrieben von Sabine Becker, Sabine Becker ist Diplom-Ingenieurin für Fahrzeugelektronik und Automotive Software mit 14 Jahren Erfahrung in der Entwicklung von Fahrerassistenzsystemen. Sie ist Expertin für vernetzte Fahrzeuge, autonome Fahrfunktionen und IT-Sicherheit im Automobil.